12. November 2016

“Bei uns zählen Solidarität, Fairness und Verlässlichkeit”

Ohne Vorankündigung hat die Firma Wellpappe Gelsenkirchen Ende Oktober Insolvenz angemeldet. Die 96 Beschäftigten wurden “freigestellt”. Damit sind sie nicht arbeitslos und können voraussichtlich erst ab Januar mit Geld rechnen. Das Präsidium der regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft WIN Emscher-Lippe hat eine Resolution verabschiedet, die die Umstände der Werksschließung scharf kritisieren. Die SPD-Fraktion im Regionalverband Ruhr hat sich dieser Resolution in ihrer Fraktionssitzung einstimmig angeschlossen. Die Fraktion solidarisiert sich mit der Belegschaft und verurteilt das Vorgehen der Geschäftsleitung. Fraktionsvorsitzende Martina Schmück-Glock: “Wellpappe Gelsenkirchen hat viele Jahre Geld verdient, weil die Beschäftigten für ihre Firma hart und solidarisch gearbeitet haben. Dass die Geschäftsleitung ihnen ohne Vorwarnung die Tür vor der Nase zugeschlagen hat, ist an Kaltschnäuzigkeit kaum zu überbieten. In unserer Region zählen Werte wie Solidarität, Fairness und Verlässlichkeit. Die SPD-Fraktion setzt sich dafür ein, dass das auch so bleibt.”

 

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WIN Emscher-Lippe-Präsidium verurteilt die Umstände der Werksschließung „Wellpappe Gelsenkirchen“ durch den Eigentümer Palm

Das Präsidium der WIN-Emscher-Lippe verurteilt in scharfer Form die Art und Weise der Schließung des Unternehmens „Wellpappe Gelsenkirchen GmbH“. Die Umstände der Freisetzung der 96 überwiegend langjährig Beschäftigten, das Betretungsverbot des Firmengeländes für die Beschäftigten und den Insolvenzverwalter sowie die schwerwiegende Missachtung der Rechte des Betriebsrates sind mit dem deutschen Sozialstaatsmodell und dem Grundgesetz sowie dem Betriebsverfassungsrecht unvereinbar. Das Vorgehen des Eigentümers, Herrn Dr. Palm, muss öffentlich bekannt gemacht und verurteilt werden, um Nachahmer von einem solch unsozialen Verhalten abzuschrecken.

Die Beschäftigten widerruflich freizustellen, um ihnen den Weg zum Arbeitslosen- bzw. Insolvenzgeld zu verstellen, ist deshalb besonders unanständig, weil der Eigentümer in einem Telefonat mit Gelsenkirchens Oberbürgermeister den Eindruck erweckt hat, dass dieses Unternehmen nie wieder die Produktion aufnehmen wird. Das Präsidium verurteilt dieses Vorgehen des Eigentümers, der über weitere, profitable Unternehmen verfügt und diese Insolvenz offenbar bewusst herbeigeführt hat. Es hofft auf eine rasche gerichtliche Überprüfung sämtlicher Vorgänge, die zu dieser Insolvenz geführt haben. Die Nichtbeachtung des Betriebsverfassungsgesetzes muss darüber hinaus im Lichte des Strafrechts bewertet werden.