Wo geht’s lang zum Klimaziel?

Die Großindustrie verursacht nach wie vor die meisten Emissionen in der Metropole Ruhr. Das zeigt die aktuell vorgelegte Energie- und Treibhausgas-Bilanz des RVR. Es gibt noch viel zu tun. Und es tut sich bereits viel, um unsere Klimaziele trotzdem zu erreichen.

Radverkehr und Solarenergie

Dass Menschen, um gut leben zu können, auf eine intakte Umwelt angewiesen sind, wissen wir schon lange. In einer industriell geprägten und dicht besiedelten Region wie dem Ruhrgebiet sind damit völlig andere Herausforderungen für Wirtschaft und Politik verbunden als im ländlichen Raum.

Was vor Jahrzehnten mit dem „blauen Himmel über der Ruhr“ von Willy Brandt begann, ist in Zeiten des sichtbaren Klimawandels wichtiger denn je. Quer über die verschiedenen Tätigkeitsfelder von Wirtschaft und Wohnen bis Mobilität und Freiraum setzt sich der RVR seit seinen Anfangstagen für eine gute Lebens- und Luftqualität ein. Der Ausbau der Fahrradinfrastruktur und das Solardachkataster sind nur zwei Beispiele von vielen.

Große Emissionen durch Steinkohle

Der RVR hat aktuell einen Bericht über die Energie- und Treibhausgas-Bilanz 2012 bis 2017 vorgelegt. Dieser zeigt, dass die Metropole Ruhr derzeit weit davon entfernt ist, die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Um das zu ändern, müssen die Emissionen in den kommenden Jahren drastisch gesenkt werden.

Mehr als die Hälfte (2017: 58 Prozent) der Treibhausgas-Emissionen wird durch die Großindustrie verursacht. Etwa siebzig Prozent der Energie, die die Großindustrie verbraucht, wird immer noch aus Steinkohle gewonnen. Im Vergleich dazu spielt der Einsatz erneuerbarer Energie nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Schaut man sich diese Bilanz an, scheint hier in den letzten Jahren nicht viel passiert zu sein.

Genauere Betrachtung erforderlich

Das ist erst einmal ernüchternd und fordert uns nachdrücklich auf, unsere Anstrengungen zu vergrößern. Auf der anderen Seite lässt der Bericht viele Fragen offen. Die dort dargestellten Zahlen sind von 2017. Wir sind inzwischen im Jahr 2021. Die technische Entwicklung gerade auch in der (Groß-)Industrie geht heutzutage so schnell voran, dass die Aussagekraft dieser Zahlen nicht ausreicht, um die Situation differenziert beurteilen zu können.

Darüber hinaus zeigt der Bericht die Durchschnittswerte für unsere gesamte Region. Schaut man genauer hin, sieht die Lage in Haltern oder im Kreis Wesel vermutlich anders aus als in Marl oder Duisburg. Wünschenswert wäre also eine aktuellere und detailliertere Datengrundlage. Wo genau sind die Haupt-Emittenten und welche Verbesserungsmöglichkeiten gibt es dort?

Hohe Dynamik

Die Dynamik ist durchaus hoch. Um nur ein Beispiel zu nennen: Evonik baut zurzeit in Marl zwei neue Gas- und Dampfturbinenkraftwerke. Dadurch werden 270 Megawatt Strom produziert und das letzte Kohlekraftwerk sowie ein altes Reservekraftwerk im Chemiepark Marl ersetzt. Wenn die neuen Kraftwerke ans Netz gehen und die alten ihren Betrieb 2022 einstellen, wird sich dies in der lokalen Klimabilanz deutlich bemerkbar machen.

Die Industrie wird für das Ruhrgebiet wichtig bleiben. Sie bietet einerseits Arbeitsplätze und Wohlstand, und auf der anderen Seite gibt es hier viel Innovationspotenzial, das der gesamten Region zugute kommt. Eine moderne Region braucht innovative Unternehmen.

Zukunftsenergie Grüner Wasserstoff

Das Thema Wasserstoff zeigt, dass die Metropole Ruhr im Kleinen und im Großen Entwicklungen vorantreibt, die gut für Klima und Umwelt sind. Das Wasserstoff-Kompetenzzentrum in Herten wächst, die Stadt Herne setzt künftig einen ersten wasserstoffbetriebenen Wagen für die Müllentsorgung ein.

Die Vision: Eines Tages Stahl mit der Energie aus Grünem Wasserstoff – also gewonnen aus erneuerbaren Energien – herzustellen. Dann kann die Kohle endgültig Geschichte werden. Eine Erfolgsgeschichte, die wir unseren Enkeln erzählen können. Dafür müssen alle Beteiligten noch viele einzelne Schritte gehen. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt.

Tanja Soschinski ist Mitglied des Ausschusses für Klima, Umwelt und Ressourceneffizienz im RVR. Seit Beginn der neuen Legislaturperiode Ende 2020 ist Tanja umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Beruflich ist sie bei Evonik Industries AG im Chemiepark Marl tätig. So hat Tanja einen direkten und aktuellen Einblick in die technischen, innovativen und nachhaltigen Entwicklungen, die in der Großindustrie stattfinden.

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